Monatsspruch für November

„Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meeres. Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens.“

Hiob 9,8f

Hiob singt ein Lied auf Gott – ausgerechnet er, der doch alles verloren hat! Er weiß wohl, dass Gott alles gemacht hat, die Sterne, die Erde. Berge kann er versetzen, er hält die Welt in seinen Händen.

Aber dann kommt der Haken an der Sache: Gerecht ist Gott nicht! Gerecht müsste doch bedeuten, es gibt einen Zusammenhang von dem was ich tue und dem, wie es mir ergeht. Hiob ist immer ein frommer Mensch gewesen. Natürlich fragt er sich, warum Gott ihn nicht dementsprechend spüren lässt, wie sehr ihm das gefällt. Im Gegenteil, er muss leiden und hat alles verloren. Wäre Gott gerecht, gäbe es doch einen Grund dafür, eine Antwort auf die Frage nach dem Warum.

So gerät Hiob fast in einen Streit mit seinen Freunden, die eine Schuld bei Hiob suchen, er aber alles von sich weißt. Die Frage nach dem ist offen.

Und so entsteht eine Lücke, die kaum zu ertragen ist. Für Hiob, seine Freunde, uns. Bis heute. Immer wieder wird die Frage „Warum?“ gestellt, wenn Menschen einen Schicksalsschlag erleiden, sie zweifeln und ihre Werte ins wanken geraten.

„Warum?“ und keine Antwort. Diese Lücke lässt Menschen hilflos und handlungsunfähig zurück. Wegen ihr kämpfen Menschen mit Gott und wenden sich von ihm ab. Hiob wählt einen anderen Weg. Er versucht einen anderen Blickwinkel einzunehmen und Gott als den Schöpfer zu sehen. Was er sieht, bringt ihn zum Singen: „Er allein breitet den Himmel aus!“

Und ich frage mich: Wenn ich mein Bild von einem gerechten Gott aufgeben muss, wenn ich auf mein Frage nach dem Warum keine Antwort bekomme, egal wie lang ich feilsche, hilft es dann den Schöpfer und seine Schöpfung ins Spiel zu bringen?

Ich stelle mir vor, wie Hiob in den Sternenhimmel schaut. So wie auch ich oft. Unvorstellbare Weite, Dunkelheit, Ruhe. Und dann sind da Sterne, sie bilden Muster, die ich nicht verstehe. Hat Gott sie in den Himmel geschrieben?

Ich spüre angesichts dieser Weite des Himmels, der Weite der Zeit und Ewigkeit, kommt die Frage nach dem Warum an ihre Grenze. Sie und jeder der sie stellt wird einmal enden. Dass sie ohne Antwort bleibt verliert ihre Schwere. Wenn das Kämpfen und Fragen und Klagen aufhört, entsteht ein unscheinbarer Moment, der doch strahlt, der tröstet. In dem ich mich vielleicht halten lassen kann. Von einem schöpferischen Gott, der sich nicht messen und erfragen lässt. Und doch lädt er immer wieder ein, mit Augen und Gedanken den Himmel abzufahren. Großer Wagen, Orion, Siebengestirne, Stern des Südens, Weite und Stille. Er hat sie gemacht, mit seinen Händen.

Hände, die mich umfangen, jenseits aller Fragen, davor und danach.

Dass Sie diese Gewissheit spüren, wünscht
Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.

Der Monatsspruch für August

Du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Psalm 63,8

Bei Störchen ist das so: Im Frühjahr treffen die Männchen zuerst ein und besetzen ihren Horst, ihr Nest vom Vorjahr. Sie verteidigen es energisch gegenüber ihren Konkurrenten. Bald gesellt sich die Störchin dazu. Beide sammeln nun gemeinsam Halme und Zweige und bessern ihr Nest aus. Manchmal klappern sie dabei.

Einige Zeit später hockt immer einer der beiden auf dem Nest. Die Zeit der Brut hat begonnen. Zwei bis fünf Eier hat die Störchin gelegt. Nun heißt es Warten und Wärmen.Nach gut vier Wochen entdeckt man plötzlich, dass die Küken geschlüpft sind. Vater und Mutter wechseln sich nun ab in der Nahrungssuche und dem Füttern der Küken. Später kann man die Köpfchen und die langen Hälse sehen, wie sie senkrecht nach oben ragen mit weit aufgesperrten Schnäbeln.

Oft sitzen Storch oder Störchin auf ihrem Nest und die Küken schlüpfen unter ihre Flügel. Hier sind sie unter weichen Federn geborgen. In kalten Nächte erfrieren sie nicht, denn selbst bei Plusgraden besteht bei den zarten Küken das Risiko. Und auch wenn die Sonne zu heiß wird, sind sie geschützt. Nichts kann ihnen passieren.

Von ihrem hochgelegenen Nest haben die Eltern auch alles im Blick. Nähern sich Feinde dem Nest, verteidigen sie es energisch. So haben die Küken alles, was sie brauchen. In Ruhe wachsen sie heran, bis sie nach gut acht Wochen flügge werden und so langsam ihre eigenen Wege gehen.

Wie eine Vogelmutter nimmt Gott uns unter seine Flügel. Dieses Bild finden wir immer wieder in der Bibel. Ich spüre, wie das Kind in mir sich angesprochen und gewärmt fühlt. Dieses Kind, das ich einmal war, bleibt ja da. Es wohnt in mir, auch, wenn ich schon längst erwachsen geworden bin.

Und immer wieder einmal meldet es sich, leise oder auch laut, mit seiner Sehnsucht geschützt und gewärmt, versorgt und behütet zu werden. Besonders in Zeiten, in denen ich es schwer habe, mir alles zu viel zu werden scheint.

Wie gut tut es da, eine Freundin zu haben, die mir zuhört und mich versteht. Oder einen Helfer, der auch mal die eine oder andere Aufgaben für mich übernimmt, mich unterstützt. Und ich darf mich eine Zeit lang verkriechen. Das Gefühl genießen, geborgen zu sein, bei dem Anderen.

Ich muss nicht alles allein schaffen. Hilfe anzunehmen macht mich einerseits demütig, andererseits dankbar. Und ich lerne auch andere zu bemuttern, zu versorgen und zu wärmen, wenn sie mich brauchen.

Und auch bei Gott darf ich mich bergen, verkriechen und wärmen. Ich muss nichts vorweisen. Selbst, wenn ich keine Worte mehr habe, Gott ist da, wie die Mutter und der Vater für die Storchenkinder, um mich zu schützen und zu versorgen, als sei ich sein Küken. Solange und immer wieder, bis sich bei mir die Kraft einstellt und mich beflügelt. Dann fühle ich mich dem Leben, das vor mir liegt, gewachsen und kann mich aufmachen es zu meistern.

Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin

Der Monatsspruch für Juli

Jesus Christus spricht: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet.

Röm 14,9

Das ist doch so ein typisches Jesusding. Feinde lieben. Viel zu viel verlangt von Menschen und deswegen reden wir uns als Kirche, als Theologen das gerne mal klein und handlich. Nach dem Motto: Jesus hat das sicher im übertragenen Sinn gemeint. Jesus sprach damit nur bestimmte Gruppen an und hat damit nicht alle Feinde gemeint. Oder auch: Mit Feinde sind hier vor allem religiös anders Denkende gemeint, nicht so richtige Feinde, die Leben und Familie bedrohen. Und so abgemildert ergibt diese Forderung einen Sinn und auch die Möglichkeit ihr nachzukommen.

Nun ja, was ist aber, wenn es nicht so ist? Wenn Jesus es genau so gemeint hat? Genauso radikal. Manchmal denke ich, Jesus wollte, dass wir an dieser Aufgabe scheitern, damit wir merken, dass wir auf ihn angewiesen sind. Dass wir Leben und Glauben eben nicht allein hinbekommen. Demut lernen hätte man früher vielleicht dazu gesagt. Und ich glaube, dass wir Menschen der heutigen Zeit das wirklich brauchen. Wenn wir mal wieder eine Meinung zu allem haben und besser wissen, wie es geht, denn wir haben ja Erfahrung, Ausbildung etc. Und genau da ruft unser Glaube, Jesus selbst uns zu: Nein, allein geht gar nichts. Gebet braucht es und immer wieder die Bitte: Hilf mir, das zu meistern, diesen Weg zu gehen, das zu verstehen.

Liebt eure Feinde und betet für sie. Das ist diese allein unlösbare Aufgaben, die uns auf den Boden holt und erinnert, an wen wir uns wenden müssen.Sie bleibt aber trotzdem eine Aufgabe. Sie muss angepackt werden, wenn wir als Christen in unserer Welt leben wollen.

Also fange ich damit im Kleinen an. Schaue mich um in meinem Umfeld. Konzentriere mich auf eine Person. Der grantige Nachbar vielleicht, der immer zu den Ruhezeiten den Rasen mäht und meine Katze nicht leiden kann. Ich bete für ihn und für mich, dass ich einen Weg finde ihn zu lieben. Ich weiß, dass unser Gebet etwas verändert. Also probieren wir aus, was passiert und bleiben geduldig.

Und dann nehmen wir mal ganz vertrauensvoll das Große in den Blick. Wie wäre es, wenn Nationen sich nicht mehr nur feindselig gegenüber stehen? Wenn sie sich an einen Tisch setzen könnten, entgegengesetzte Positionen, die trotzdem Kompromisse finden. Ein Traum, fast wie im Himmel, sagen jetzt die Realisten, total unmöglich.

Ja, mag sein, dass vieles nicht passieren wird. Aber erst recht nicht, wenn wir es nicht versuchen. Ich glaube, so vieles lässt sich erlernen. Und wenn wir mit dem Gebet für andere beginnen, dann sind wir ja auch nicht mehr allein mit dieser Riesenaufgabe. Ich bin gespannt, was passieren wird, im Kleinen und im Großen, wenn wir uns trauen Jesus ernst zu nehmen in dem, was er von uns fordert, aber auch in dem, was er uns als Hilfe an die Hand gibt – seine unendlichen Möglichkeiten, seine Liebe.

Einen wunderbaren Sommer wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin

Monatsspruch für April

Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

Röm 14,9

„Tiere kommen nicht in den Himmel!“, habe ich als Kind gesagt bekommen und es hat mich lange Zeit verstört. Wie könnte es auch nicht? Was geschieht mit dem geliebten Haustier sonst nach dem Tod? Kann ich nicht auf ein Wiedersehen hoffen?

Am Weltfrauentag, am 8. März, ist unsere Katze verstorben, nachdem sie uns fast 17 Jahre begleitet hat. Ein Familienmitglied, welches wir noch einige Zeit betrauern werden. Was kommt nach ihrem Tod, dem Sterben überhaupt? Wir können es nicht wissen. Der Tod ist wie ein Horizont, der sich, je mehr wir uns näher, umso mehr nach hinten verschiebt. Wir können ihn als Lebende vielleicht etwas erweitern. Ihn zu überschreiten, das vermögen wir jedoch nicht.

Hinübergehen und wissen wie es dort ist, das können wir erst, ja, können wir nur, wenn wir sterben.

Nur einer hat diesen Horizont zwei mal überschritten. Er war nicht nur lebendig und ist gestorben, so wie wir es alle tun. Nein, er ist auch wieder lebendig geworden. Er hat den Horizont überschritten und ist in dieses Land gereist, welches wir so gern kennen würden, uns aber verschlossen bleibt. Er hat die besucht die dort wohnen und alles gesehen, worauf wir hoffen.

Die Bibel schenkt uns Bilder von dem, was auf der anderen Seite ist. Bilder, die wir uns ausmalen und weiter träumen können. In allen Farben und mit all dem, was wir ersehnen.

Gott selbst wohnt dort. Er macht groß, die gering geachtet waren. Traurigen wischt er die Tränen ab. Schmerz, Leid und Klagen sind vergangen. Die Grenze, die uns trennte, ist verschwunden. Wir sind Gott ganz nahe, denen, die wir lieben. Da ist Leben in Fülle und es bleibt.

Wir dürfen uns in diesen Bildern bewegen. Sie reichen schon jetzt in diese vergängliche und unsichere Zeit. In Sorgen und Trauer schenken Sie uns Hoffnung für die, die schon gegangen sind. Ob geliebter Mensch, geliebtes Tier, ich bin gewiss, Gottes Gnade und Fülle reicht weiter und tiefer als wir es uns erträumen.

Jesus Christus, der in beiden Welten war, er verbindet uns miteinander. Ich stelle mir vor, wie er auf der Grenze steht, die nur er überbrücken kann. Eine Hand reicht zu uns auf der Erde herüber, die andere reicht er denen, die uns voraus gegangen sind. Deren Zuhause jetzt im Himmel ist. Die wir vermissen, die auf uns warten. So schließt Jesus Christus den Kreis des Lebens über den Tod und über alle Zeit hinaus.

Unvorstellbar für uns, unverständlich. Wir können es nur mit unserer Hoffnung und unseren Träumen füllen.

Und wir wissen, wir sind gut aufgehoben, diesseits und jenseits des Horizonts, und alles was wir lieben geht nicht einfach verloren. Bei dem Herrn, der sein Leben mit uns teilt, in der Zeit und in Ewigkeit.

Eine gesegnete Osterzeit und wunderbare Frühlingstage wünscht Ihnen,

Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.

Die Telefonandacht ist zurück!

Auf vielfachen Wunsch ist die Telefonandacht wieder für Sie da und wird regelmäßig erneuert. Das Thema der aktuellen Telefonandacht ist die Passionszeit.

Diese und die vorangegangen Telefonandachten finden Sie hier auf der Internetseite. Hören Sie doch mal rein!

Der Monatsspruch für März

Was kann uns scheiden von der Liebe Gottes?

Röm 8,35

NICHTS!, behauptet Paulus. Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. So wirklich gar nichts? Das kann ich kaum glauben.

Es gibt so viele Scheidungsgründe – unter uns Menschen. Wie viele Menschen habe ich wohl im Laufe meines Lebens aus den Augen verloren? Ich bin weggezogen, meine Freundin ist in der Heimat geblieben. Am Anfang haben wir uns noch besucht. Doch irgendwann merkten wir: Wir haben immer weniger worüber wir reden können. Unsere Leben haben sich voneinander entfernt. Äußerlich und auch innerlich.

Wie viele Paare kenne ich, die sich voneinander getrennt haben. Am Anfang war alles perfekt. Hochzeit wurde gefeiert und auf den Fotos schaut sich das Paar verliebt in die Augen. Dann schlich sich der Alltag ein, mit ihm der Streit. Später dann die Stille. Jeder geht seine eigenen Wege und schließlich entscheiden sie, dass es miteinander nicht mehr funktioniert. Lassen sich scheiden.

Es gibt Eltern und Kinder, die einander nicht mehr verstehen. Ein Vater pocht auf sein Recht und seinen Weg, als der Sohn längst erwachsen ist. Eine Mutter mischt sich immer wieder in die Angelegenheiten der Tochter ein. Ein Kind bestiehlt und belügt die Eltern immer wieder, Jahre voller Enttäuschungen. Die Beziehung wird so sehr zur Belastung, dass ein Part den Kontakt abbricht.

Ja, unter uns Menschen gibt es unzählige Scheidungsgründe: Unterschiedliche Ansichten und Lebensläufe, Geschehnisse, die man nicht überwinden kann. Wir machen Fehler, die andere verletzen, werden schuldig aneinander, oder gleichgültig. Wir werden müde, resignieren.

Den letzten großen Scheidungsgrund haben wir nicht in der Hand. Der Tod, der uns voneinander trennt.

Manchmal macht mir das Angst. Kann das alles, was mich von der Liebe anderer Menschen scheiden kann, auch von der Liebe Gottes trennen? Was für eine Chance hätte ich dann wohl auf eine ewige Beziehung zu ihm?

KEINE ANGST!, behauptet Paulus. Nichts kann uns je scheiden von der Liebe Gottes. Und er fügt hinzu: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Mächte, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges (…) uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn.

Ich spüre, wie ich mich danach sehne, dass es genau so sein könnte. Dass es IHN gibt, mit dem Wesen der Liebe und der nur lieben kann, ohne Bedingungen. Jede Entfernung kann er überbrücken, jeden Graben überwinden.

Kaum zu glauben.

Doch ich will es versuchen, zu vertrauen in diese Liebe, die bleibt. Bei jedem Scheidungsgrund, überall wo menschliche Wege auseinander gehen. In die Liebe, die mir alles von den Schultern nimmt, was mich von Gott trennen könnte. Sie trägt mich, wenn ich verlassen bin. Durch das Leben und durch den Tod.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen,
Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.