Andacht zum Monatsspruch Juli 2022

Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott.

Psalm 42,3

Es war viel in letzter Zeit. Anforderungen, die einem ab und zu über den Kopf wachsen, Eindrücke, die es zu verarbeiten gilt, Fragen, die ohne Antwort bleiben. So viel Schönes streift vorbei oder versandet ungesehen.

Und nun? Viel geht nicht mehr. Die Zeit ist ein dürres, trockenes Land, in dem es keine vielversprechenden Wege, keine blühenden Gärten und schattigen Ruheplätze mehr gibt. Ich kenne mich selbst nicht mehr. Und wenn ich mein Innerstes durchforste, dann ist da gerade nicht viel, ich finde trostlose Leere, selbst im Spiegel sehe ich ein fremdes unbedeutendes Gesicht.

Die Seele dürstet.

Dürstet sie nach Gott?

Wie gut täte es, einmal loslassen zu dürfen. Die ganzen Pläne und Aufgaben anderen anzuvertrauen. Eingeladen zu sein. Da wäre ein Tisch, den ich selbst nicht decken muss. Darauf eine Vase mit frischen Margeriten und Kleeblumen. Einer reicht mir das Brot und schenkt mir duftenden Kaffee ein. Einer nimmt mir Stück für Stück die Lasten von der Seele und spricht mir Mut zu. Ich muss meine Kräfte nicht länger aus mir selbst schöpfen.

Ich sitze nur da und ruhe mich aus. Lasse den Blick schweifen, sauge die Düfte auf. Es dauert lange, bis die Unruhe, die Antreiber in mir endlich schweigen. Ich schaue aus dem Fenster. Nach und nach legt sich der Wind und die wogenden Äste der Bäume kommen zur Ruhe. Ich spüre, wie in mir eine Stille wächst.

Wie gut es tut, einmal loszulassen. Ich schaue meine leeren Hände an. Sie schaffen nicht, sie greifen nach nichts, sie kontrollieren nichts. Kein schlechtes Gewissen muss ich haben. Sie werden endlich bereit, sich füllen zu lassen.

Eingeladen sein. Ich komme zu mir und spüre, wie nach und nach meine Kräfte wieder wachsen. Ideen fliegen mir zu und Worte werden zu meinen. Was wesentlich und wichtig ist, ordnet sich wieder neu, bekommt Sinn.

Meine Seele kommt zur Ruhe, ihr Durst wird gestillt. Als bin ich an einer Quelle, aus der das Leben sprudelt. Die einfach da ist, einladend, unerschöpflich. Wenn ich dann gehe, weiß ich, dass ich wiederkommen darf, um mich erfrischen, füllen und stärken zu lassen. Jederzeit.

Nun mache ich mich auf den Weg, der vor mir liegt. Und plötzlich kommt es mir so vor, als könnte es wirklich mein eigener werden.

Für die kommenden Sommertage wünsche ich Ihnen und mir viel Zeit an dieser belebenden Quelle, dem gedeckten Tisch. Unser Herr Jesus stärke und begleite genau da, wo wir es brauchen.

Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.

Andacht zum Monatsspruch für den Juni 2022

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Hohelied 8,6

Ich schreibe heute mal einen Brief an die Liebe. Und dieser Brief bin ich selbst. Ein Brief, geschrieben aus den Stunden, Tagen und Jahren. Ich bin auch nicht allein die Autorin, dieses Leben ist mehr als ich, und doch wird es meins.

„Darum bitte ich dich liebe Liebe,füge zärtlich deine Worte in mich, in mein Leben ein, bevor ich sie vergessen könnte. Schreib dich auch zwischen die Zeilen. Bewahre Menschen, gute und schlechte, lange Beziehungen, kurze Begegnungen, kleine Momente. Erinnere mich an das Viele und Zuviele, das mir zugefallen ist. Manchmal so vollkommen unerwartet und überraschend, dass ich kaum Luft holen konnte. So oft im Übermaß, unverdient und doch wunderbar, zum abgeben und weitergeben.

Und am Ende, liebe Liebe, setze deine Unterschrift, auf mich, auf mein Leben. Beglaubige mich, steh für mich ein, wenn ich es selbst nicht kann, sei da für mich und andere in den dunklen Momenten.

Quelle: pixabay.com

Dieser Brief, der ich bin, geschrieben aus meinen Stunden, Tagen und Jahren, ich will ihn in deine Hand legen. Umhülle du ihn, verschließ ihn mit deinem Siegel, so dass nichts anderes hineinkommen mag, präge deine Spur in ihm ein, unverwechselbar und unverkennbar. Sei ein schützendes Schild, auf deine eigene besondere, vielleicht auch zerbrechliche Art.

Und dann adressiere ihn nochmal neu, an den einen Gott, der uns alle beim Namen ruft, wir ihn aber kaum zu kennen meinen. Du weißt, er ruft mich ins Leben, jeden morgen neu, bis er mich wieder heraus rufen wird. Du aber trägst mich, zwischen den Welten, bist du Hülle und Siegel.

Du erhellst Blicke. Dein Lachen dringt durch alle Ritzen meines Seins.Wer sagt denn, dass die Erde sich dreht ohne dich, liebe Liebe?

Durch dich schimmert in uns eine leise Ahnung von Gott. Was wäre er ohne dich?

Ich lege dich wie ein Siegel auf mein Herz.In dir bin ich stark.“

Eine gesegnete, fröhliche und frühlingshafte Zeit wünscht
Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.

Friedensgebete zur Passionszeit

In der Passionszeit vor Ostern gedenken Christen der Leiden Jesu und machen sich die Verbundenheit zu ihm in all diesen menschlichen Erfahrungen bewusst. Ein Bibelwort und ein gemeinsames Gebet sollen dann durch die Woche begleiten. Wir treffen uns zwischen dem 15. März und dem 12. April zu kurzen ökumenischen Andachten in der Kirche in Leutenberg, jeweils dienstags 18 Uhr.

Andacht zum Monatsspruch für den März 2022

Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.

Epheser 6,18

März 2020. Etwa zwei Jahre ist das jetzt her, da bin ich mit meiner Familie nach Leutenberg gezogen. Am Anfang meiner Arbeit in Leutenberg stand auch der Siegeszug eines schlimmen Virus mit einem schönen Namen: Corona.

Wir mussten neue Worte lernen: soziale Distanz, Homeoffice, mussten Maske tragen und Abstand halten. Wir erfuhren, was „Lockdown“ bedeutet, geschlossene Läden, Treffen über das Internet, leere Restaurants, abgesagte Feiern und Feste, kirchliches Leben gestaltet sich immer schwieriger.

Eine Weile ließ sich das einigermaßen aushalten, doch mit der Zeit wurde es immer schwerer. Wie gut täte es, sich wieder einmal zu treffen, hautnah, ohne Angst und Scheu. Wir Menschen brauchen die Nähe zueinander doch. Wie können wir verbunden bleiben, auch wenn wir einander nicht sehen und treffen? Diese Frage beschäftigt mich nun schon meine ganze Zeit hier als Pfarrerin. Viele von Ihnen habe ich schon kennengelernt, viele auch nicht. Und was da im Monatsspruch fast wie eine Mahnung klingt, wirkt auf mich im Blick auf die letzten zwei Jahre wie eine Einladung: Im Geist, jederzeit.

Im Geist ist ja eigentlich Gottes Weise uns Menschen nahe zu sein. Als Jesus die Erde verlässt, schickt er den Heiligen Geist als Inspiration und Tröster. Ich kann mir diesen Geist wie einen warmen und hellen Raum vorstellen, der sich jederzeit betreten lässt. Und die Tür dahin ist das Gebet, oder ein Blick in den Himmel, das Denken aneinander. Die Tür steht offen, jederzeit.

Dieser Raum gibt mir, was ich gerade brauche, eine Umarmung, einen weiten Blick, neue Ideen. In ihm bin ich verbunden mit Gott – und auch mit den Menschen. Der Geist umfängt uns alle.

Hier kann ich meine Sorgen aussprechen, für Menschen bitten, die mir am Herzen liegen. Ich lege Gott unsere Zukunft ans Herz und die der Welt, bitte um Kraft und Segen. Ich besinne mich auch auf das was schön ist. Ich sage danke für die Menschen und die vielen kleinen Dinge. Den Frühling, die Blüten, Sonne und Wind.

Aber nein, das alles hebt die Sehnsucht nach Nähe und Sorglosigkeit und den Schmerz über das Alleinsein nicht auf. Aber ich werde gehalten und ich kann etwas tun. Im Geist kann ich bei anderen Menschen sein, denen die mir nahe stehen, auch die, die ich noch gar nicht kenne. Ich kann zu der Situation gerade Abstand gewinnen. Manchmal tröstet mich das. Und es gibt mir Kraft, die Zeit zu überstehen. Hört nicht auf zu beten, bis wir einander begegnen, uns wiedersehen – hautnah, von Angesicht zu Angesicht.

Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin

Andacht zur Jahreslosung für 2022

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Johannes 6,37

Kennen Sie die Szene aus dem Krippenspiel, als Maria und Josef bei der Herberge anklopfen? Alles Bitten und Flehen Josefs und auch der Hinweis auf die fortgeschrittene Schwangerschaft der Maria nutzen nichts. Sie werden abgewiesen, „denn es war kein Platz in der Herberge“.

Wenn dann die Zeit gekommen ist, dass ein Kind auf die Welt kommen will, da ist es nicht wählerisch. Das Leben drängt sich nach vorn und ist nicht aufzuhalten. Jesus wurde in einem Stall geboren und eine Futterkrippe war seine Wiege.

Das war der Plan Gottes, der für alle Abgewiesenen und Ausgeschlossenen ein besonders großes Herz hat: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt er uns zu. Durch Jesus will Gott zeigen, dass bei ihm alle Menschen willkommen sind, insbesondere die Hungrigen und Durstigen. Sie sollen satt werden. Die Erschöpften und Ausgebrannten sollen neue Kraft bekommen. Die in Schuld verstrickt sind, können durch ihn einen Neuanfang haben.

Abgewiesen oder Aufgenommen werden kann entscheiden zwischen Leben und Tod. Zur Zeit erleben wir, dass Menschen an der Grenze Europas zum Spielball der Mächtigen werden und dort hungrig in der Kälte ausharren müssen. Sie kommen weder vorwärts noch zurück, sie finden keine Herberge…

Seit Menschengedenken scheint sich immer wieder die gleiche Geschichte zu wiederholen. Jesus, seit seiner Geburt selbst der Willkür der Mächtigen ausgeliefert, hat niemanden weggeschickt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“. Jesus ist gekommen, den Kreislauf von Gewalt, Schuld und Ungerechtigkeit zu durchbrechen.

Mit Jesus drängt sich das Leben auf. Leben in Fülle – für alle. Das hat er mit seinen Worten verkündet und mit seinem Leben gezeigt. So durften Mütter mit ihren Kindern zu ihm, obwohl seine Jünger das verhindern wollten. Mit ausgestoßenen Menschen und Verbrechern sitzt er zu Tisch und berührt sie oft so sehr, dass sie ihr Leben ändern. Der Vater öffnet Haus und Herz für den Sohn, der verloren war.

Türen zu öffnen, Herberge zu sein, Menschen mit ihren Bedürfnissen wahrnehmen. Das ist göttlich, aber wir können es auch.

Glückliche Weihnachtstage und ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen und Ihren Familien, Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.