Monatsspruch für Oktober

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen.

Galater 5,1

„Wenn man sich für eine Sache zu alt fühlt, sollte man sie erst recht probieren.“ Pablo Picasso soll diesen Satz gesagt haben. Ich entdeckte ihm auf einem hübsch gestalteten Zitatekalender in einer Buchhandlung. Wie eine Einladung daneben das Bild von mehreren leeren Sitzen eines fahrenden Kettenkarussells.

Ich erinnere mich an einen Besuch auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt mit meinem großen Sohn vor ein paar Jahren. Dort gibt es neben den üblichen Ständen mit Glühwein, gebrannten Mandeln und Weihnachtssternen auch jede Menge Fahrgeschäfte für Groß und Klein. Seine Augen leuchteten, als er die Kinder im Autoscooter beobachtete und die gruseligen Figuren vor der Geisterbahn musterte.

„Keine zehn Pferde bekommen mich da rein.“, dachte ich, als wir vor einer Karussellbahn stehen bleiben, die den Kinderschuhen schon sehr lange entwachsen war. „Biiiitte, darf ich das?“, bettelte er an meiner Jacke zerrend und ich wusste, wenn dann nur mit mir, einer Erwachsenen. Irgendwie lockte es mich jetzt. Ein bisschen Ausgelassenheit könnte uns doch gut tun und so ein gemeinsames Erlebnis schafft bestimmt bleibende Kindheitserinnerungen. Aber ich war hier nicht das Kind. Mein Erwachsenen-Ich malte mir in düsteren Farben vor Augen, was alles passieren konnte.

Wie es ausging? Immer wieder schaute ich zu den tanzenden Wagen der Karussellbahn. Ich hörte die lachenden Stimmen der Menschen, die mutig eingestiegen waren. Eine kleine Hand zerrte weiter drängend an meiner Jacke.

Schließlich gewann der Lockruf des Abenteuers und mein Sohn jubelte als ich Ja sagte.

Wir kauften am Schalter ein Ticket und setzen uns mit pochendem Herzen in einen Wagen, nur gesichert durch einen Bügel vor dem Bauch. Ein schrilles Signal ertönte und die Bahn setzte sich in Bewegung. Die Welt um uns fing an sich zu drehen, erst langsamer, dann immer schneller. Ich hielt meinen Sohn fest, der unter dem Bügel herauszurutschen drohte. Unsere Stimmen jubelten und zitterten gleichzeitig, unsere Herzen hüpften und rutschten in die Hose, wir lachten, klammerten uns aneinander, unsere Haare tanzten wild im Fahrtwind.

Taumelnd verließen wir nach der Fahrt den Wagen, benommen von der Geschwindigkeit und den Auf und Abs, euphorisiert von unserem eigenen Mut.

Manchmal kann ich den Wind in den Haaren und den Klammergriff meines Kindes heute noch spüren. Und wenn wir auf einem Weihnachtsmarkt an einem Karussell vorbei kommen, dann schauen wir uns wissend und lachend an. „Ge Mama, das machen wir so schnell nicht wieder!“

Einen abenteuerlichen Herbst voller mutiger Entscheidungen wünscht#?Ihre Pfarrerin Sarah Zeppin.

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